Gott lehrt

veröffentlicht in Sonntagsblog

Es wird keiner den andern noch ein Bruder den andern lehren und sagen: »Erkenne den HERRN«, denn sie sollen mich alle erkennen, beide, Klein und Groß, spricht der HERR. (Jeremia 31,34)

Wenn wir einen solchen Text lesen dann fallen uns die unterschiedlichsten Dinge auf. Der individualistische Einzelgängerchrist findet hier die Bestätigung dass er niemanden braucht, der ihm die Bibel erklärt. Er weiß selbst was sie aussagt.

Der Mitarbeiter bei den Kindern sieht, dass auch die Kleinen Gott erkennen können, und findet den Lehrtext zu diesem Losungstext passend:
„Als aber die Hohenpriester und Schriftgelehrten die Wunder sahen, die Jesus tat, und die Kinder, die im Tempel schrien und sagten: Hosianna dem Sohn Davids!, entrüsteten sie sich und sprachen zu ihm: Hörst du auch, was diese sagen? Jesus sprach zu ihnen: Ja! Habt ihr nie gelesen: Aus dem Munde der Unmündigen und Säuglinge hast du dir Lob bereitet?“ (Matthäus 21,15-16 )

Der Allversöhner sieht, dass alle Menschen Gott erkennen werden, also letztlich auch gerettet werden. Aber wer nicht nur diesen Vers sondern den gesamtbiblischen Kontext anschaut und den Gebrauch dieser Formulierung „vom Kleinsten bis zum Größten“ untersucht, wird feststellen dass hier weder von kleinen oder kleinwüchsigen und großen Menschen, noch von Kindern und Erwachsenen die Rede ist, sondern in aller Regel von Unbedeutenden und Bedeutenden. Von den geistlichen Führern und den geistlichen Anfängern. Von den Generälen und den Fußsoldaten.

Und wenn es um die Erkenntnis des HERRN geht, so sagt es Gottes Wort, gibt es keinen Unterschied, denn Gott selbst gibt die Erkenntnis, lehrt sein Volk:

 

»Und alle deine Söhne werden von dem HERRN gelehrt, und der Friede deiner Söhne wird groß sein.«
Jes. 54:13

Diese Verheißung will an einem Punkt anknüpfen, den er schon vor langer Zeit verfolgte, als er dem Volk am Berg Sinai erschien und zu ihnen sprach.
Das Volk bat Gott, dass er zu ihnen durch Mose reden sollte aber nicht mehr direkt.
Was sich dann entwickelte war eine Abhängigkeit des Volkes von den Propheten. Das ging solange gut, bis eben nicht nur die Propheten des Lebendigen Gottes, des Gottes Israels, Jahwehs, auftraten, sondern eben auch andere. Die Propheten, die die Leute zum Abfall vom Lebendigen Gott, von seinen Ordnungen und Geboten verführten und das Volk ins Unglück stürzten.
Am Anfang der Kirche Jesus hörte auch wieder jeder Gott, hatte eine lebendige kommunikative Beziehung zu Jesus durch den Heiligen Geist. Aber immer mehr verdrängte die geistliche Elite die Laien, je mehr die Eucharistie zum Mittelpunkt des Gottesdienstes und des Christlichen Lebens wurde und sie als Mysterium Gottes nur von den geweihten, den besonders Heiligen verwaltet werden konnten und durften.
Gottes Reden in den und durch die Gaben des Geistes trat in den Hintergrund bis es gänzlich verschwand und das einst lebendige Gottesdienstgeschehen zu einer toten Zeremonie verkam, das sein Faszinosum mehr durch Geheimnistuerei, als durch transparentes miteinander Teilen der Gaben untereinander auf die Menschen ausübte.
Es gab wieder die Großen und die Kleinen. Und nur die Großen wussten noch um was es ging, hatten Zugang zu den geheimnisvollen Schriften der Bibel, die nur sie lesen konnten.
Aber Gott sah dem nicht ewig zu. Er ließ Männer wie Wickliff, Hus, Luther, Calvin, Zwingli, Bucer, Cramner etc. aufstehen und die Bibel in der Sprache des Volkes wieder lesen und Predigen und jeder konnte wieder vom HERRN gelehrt werden.
Um vom HERRN gelehrt werden zu können brauchen wir die Bibel, Gottes Wort in der unverfälschten ungegenderten Sprache und Übersetzung, so wie sie uns durch die so intensive Textforschung der letzten 2 Jahrhunderte zur Verfügung steht.
Lassen wir es nicht zu, dass nur irgendwelche Politesoteriker die Deutungshoheit über die Schrift haben. Lassen wir es nicht zu, dass irgend ein Ismus uns vorschreibt, wie wir die Bibel zu lesen haben. Bitten wir den Heiligen Geist miteinander, uns in alle Wahrheit seines Wortes zu führen und lassen wir uns gemeinsam von ihm unterweisen, in dem wir seine Gaben und Dienste, die er der Gemeinde gegeben hat, in Anspruch nehmen.

Foto von Owen.outdoors: https://www.pexels.com/de-de/foto/offene-bibel-mit-verschwommenen-weihnachtslichtern-im-hintergrund-29756408/