Liebe - so flüchtig!

veröffentlicht in Sonntagsblog

Eure Liebe ist wie der Tau, der frühmorgens vergeht! Hosea 6,4 Jesus spricht: Bleibt in meiner Liebe! Johannes 15,9

Wenn wir an Liebe denken, dann denken wir an ein Gefühl. Ein Gefüh,l das uns überfällt und dann, solange es Grund genug gibt zu lieben, uns bestimmt, aber auch wieder verschwinden kann. Und dann hat der Adressat unserer ursprünglichen Liebe uns nichts mehr zu sagen und zu geben.
So sind inzwischen auch die meisten Zweierbeziehungen in unserer Gesellschaft konstituiert. Deshalb spricht man von Lebensabschnittspartnerschaft. Und wenn es noch minimalistischer ist, dann „Friends with Benefits“, also gelegentliche Schmuserei und Bettgeschichten ohne gegenseitige Verpflichtung.
Wenn die Bibel von Liebe spricht, dann spricht sie von etwas anderem. Und das wird in unserem ersten Vers deutlich. Das hebräische Wort, das hier als Liebe übersetzt wurde, kann noch viel mehr bedeuten. Eigentlich ist seine primäre Bedeutung Güte, Freundlichkeit und Treue, die mit Sicherheit Auswirkungen bzw. Formen der Liebe sind.
Aber diese Liebe ist eben mehr als die menschliche Liebe. Im Neuen Testament wird sei AGAPE, die göttliche Liebe genannt. Sie ist die Liebe, die in Gott ihren Ursprung hat und im 1. Korintherbrief in aller Ausführlichkeit beschrieben wird.
Diese Liebe ist alles andere als eine unreflektierte Gefühlsduselei. Sie ist die Liebe, die bleibt, wenn es schwierig wird, man nicht genug Zeit hat füreinander hat, Gespräch und Austausch nur am Rande stattfinden können, weil der Alltag uns fast auffrisst. Die Liebe die nicht aufhört, wenn unsere eigene Liebe zu ihrem Ende gekommen ist, unser „Liebesreservoir“ trocken gelaufen ist und wir nicht mehr die Nerven für den Anderen haben.
Es ist auch die Liebe, die ein einmal gegebenes Wort, der Verbindung „bis dass der Tod uns scheidet“ in Treue halten will und dann auch kann.
Niemand, der diese Liebe in sich hat und lebt, wird sagen, dass es immer leicht ist, aber es ist nicht unmöglich.
Die Liebe, von der Jesus spricht, ist genau diese Liebe. Aus dieser Liebe heraus hat er die Gestalt eines Menschen angenommen und hat im Gehorsam all die Unbill des menschlichen Lebens auf sich genommen, erduldet und ertragen. Und er tat das, ohne einmal zu sündigen. Das, was kein Mensch tun konnte, weil kein Mensch vollkommen ist, weil jeder Mensch unter dem Fluch der Sünde steht, das hat er für uns getan. Die Liebe Gottes in ihm, die vollkommene Liebe, die durch nichts getrübte Liebe hatte diese Kraft, der Sünde, der Versuchung, der Ablenkung, der Enttäuschung zu begegnen und keinen bitteren und sündigen Gedanken aufkommen zu lassen.
Wer Jesus Christus sein Leben und Herz öffnet, der wird durch Gott den Heiligen Geist erfüllt mit dieser Liebe. Diese Liebe in uns wirksam werden zu lassen, sich auswirken zu lassen in unserem Leben heißt in Jesu Liebe zu bleiben.
Der moderne Mensch will selbstbestimmt und autonom sein, autonom handeln und leben. Das zwingt ihn aus sich heraus alles leisten zu müssen. Wenn das nicht reicht, werden die Menschen um ihn herum zur Ressource. Man braucht die Liebe, Anerkennung, Wertschätzung und Aufmerksamkeit der Anderen. Das ist mit Sicherheit eine der Triebfedern des Exhibitionismus der sogenannten Influencer die von den Klicks und Likes leben (und natürlich auch von den Euronen, die diese generieren).
Aber wenn der Andere nichts mehr zu geben hat, dann ist er aufgebraucht, der Kaugummi ist ausgekaut, der Drops ist gelutscht.
Nur in der Liebe Jesu haben wir eine Quelle nie versiegender Kraft und Liebe. Aber diese Liebe Jesu zieht uns zu ihm, weg von unserem eigenen Narzissmus und dem der Welt.
Deshalb sagt Jesus seinen Jüngern:

»Will mir jemand nachfolgen, der verleugne sich selbst und nehme sein Kreuz auf sich und folge mir. 25 Denn wer sein Leben erhalten will, der wirds verlieren; wer aber sein Leben verliert um meinetwillen, der wirds finden.«
Matt 16:24

Foto von Johannes Plenio: https://www.pexels.com/de-de/foto/nahaufnahmefoto-des-grunen-grasfeldes-1423601/